Mein Zukunft Bau

Entwicklung einer Methodik zur Integralen Qualitätssicherung über den gesamten Gebäude-Lebenszyklus auf Basis der DIN V 18599

Projektnummer

F20-09-1-144; 10.08.18.7-13.23

 

Laufzeit / Status

07.2013 - 07.2015 / abgeschlossen

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Projektdetails

Beteiligte

TU Braunschweig, Institut für Gebäude- und Solartechnik -IGS, Univ.-Prof. Dr.-Ing. M. Norbert Fisch, Mühlenpfordtstr. 23, 38106 Braunschweig

 

Projektleiter: Dr.-Ing. Stefan Plesser, Dipl.-Ing. Lars Altendorf

Cluster

Energieeffizienz und erneuerbare Energien im Gebäude- und Quartiersbereich

Projektbeschreibung

Mit der Einführung der Wärmeschutzverordnung und der späteren Energieeinsparverordnungen strebt die Bunderepublik Deutschland eine deutliche Reduzierung des Energieverbrauchs in Gebäuden an. Ein Kerngedanke hierzu ist die Betrachtung von Gebäuden als ganzheitliche Systeme, für die eine integrale Planung unter Berücksichtigung aller relevanten Gebäudeaspekte erforderlich ist.

Grundlage der integralen Bewertung von Gebäudekonzepten ist die DIN V 18599, die in Ihrem Umfang auch die technologische Komplexität von Gebäuden widerspiegelt. Diese Komplexität führt in der Praxis zu steigenden Anforderungen an die Arbeit aller Projektbeteiligten – vom Projektleiter auf Bauherrenseite über die Fachplaner bis zu den ausführenden Firmen und den Instandhaltern. In der Konsequenz steigt das Risiko von Qualitätsdefiziten bei der Planung, Errichtung und dem Betrieb von Gebäuden zu Lasten der Energieeffizienz. Angesichts der hohen klimapolitischen Herausforderungen bleiben wichtige und vergleichsweise einfach zu erschließende Potentiale ungenutzt, weil effektive und praktikable Werkzeuge zur Qualitätssicherung in der Breite fehlen.

In diesem Projekt wurde eine Methodik entwickelt, die diesen Defiziten durch eine Methode der Qualitätssicherung begegnet. Als Basis wurden Daten aus der Berechnung des Energiebedarfs nach DIN V 18599 als „Soll-Werte“ verwendet. Diesen rund 40 Attributen werden in Planung, Errichtung und Betrieb „Ist-Werte“ mit definierten Dokumentations-vorgaben gegenübergestellt. Auf diese Weise wird ein einfacher und kostengünstiger Qualitätsregelkreis für energetisch wichtige Gebäudemerkmale aufgebaut.

Im Projekt wurde die Methodik an mehreren Gebäuden verschiedener Typologien und mit unterschiedlichen Projektphasen erprobt und optimiert. Dabei wurde in Zusammenarbeit der Solar-Computer GmbH, Göttingen, eine Export-Schnittstelle aus der Berechnungssoftware definiert und umgesetzt und über den Webservice 'task manager' der synavision GmbH, Aachen, ein Online-Werkzeug für die Durchführung der Qualitätssicherung angewendet.

Als Ergebnis steht eine pragmatische und praxisnahe Methodik für die Qualitätssicherung auf Basis der DIN V 18599 mit nachvollziehbarer Transparenz zur Verfügung, die auf diverse Projektanforderungen skaliert werden kann. Aufgrund der klaren Prüf- und Dokumentationsvorgaben, die im Grundsatz auf Sichtprüfungen beruhen, ist dafür kein spezielles Expertenwissen notwendig. Die Kosten für die Anwendung des Werkzeuges haben sich über die Pilotgebäude als insgesamt gering erwiesen. Es liegt nun an den Bauherren, insbesondere der öffentlichen Hand, die Herausforderung der Qualitätssicherung anzunehmen und in der Praxis zu realisieren.

In der bisherigen Projektstruktur von Bauherr, Fachplaner und Errichter ist eine effektive Qualitätssicherung bisher nicht gegeben, obwohl die Umsetzung und Dokumentation von Qualitäten geschuldete Leistungen der Planer und Errichter sind. Insbesondere bei öffentlichen Gebäuden sollte daher die Einhaltung der geschuldeten Leistungen geprüft werden. Die Oberfinanzdirektionen sind angewiesen die zielgerichtete Verwendung von Steuermitteln nachzuweisen. Die Konformität von Planung und Ausführung ist daher ein elementarer Baustein. Öffentliche Auftraggeber sollten daher bereits bei der Vergabe der Planungsleistungen die Nachführung der Nachweise ausschreiben und berücksichtigen. Dazu gilt es mit dem unabhängigen Qualitätssicherer, eine zusätzliche Instanz zu etablieren. Genehmigungsbehörden und Fördermittelgeber verpflichten den Bauherren ihrerseits zur Dokumentation von Qualitäten. Mit Anwendung der Methodik bekommen sie durch die Komprimierung der Datenmengen die Möglichkeit, direkt in Qualitätssiche-rungsprozesse einzugreifen.

Die verstärkte Aufnahme von qualitätssichernden Leistungen in Förderprogrammen wie z.B. Verpflichtung zu einer strukturierten und transparenten Fotodokumentation kann die Umsetzung hoher energetischen Systemqualitäten von Gebäuden wirksam unterstützen. Es ist im Übrigen das Einfordern einer geschuldeten Leistung, die der Fördernehmer formal schon heute hat.

Voraussetzung für den Erfolg der Methodik ist die klare Definition der formalen und technischen Anforderungen sowie deren Prüf- und Dokumentationsprozesse. Ein hohes Maß an Praktikabilität und Effizienz begünstigt die Akzeptanz bei den Akteuren. Mit der Etablierung integraler Qualitätssicherungsprozesse in der Breite, ist eine energetische Effizienzverbesserung des deutschen Gebäudebestands zu erwarten, die einen wichtigen und besonders wirtschaftlichen Beitrag zu den klimapolitischen Zielen der Bundesrepublik leisten kann.

Schlagwörter

IQS 18599; Bauwerk; Lebenszyklus; Qualitätssicherung; DIN V 18599; EnEV

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