Sozialwissenschaftliches Monitoring zum Leben im Effizienzhaus Plus mit Elektromobilität

Forschungsnehmer: Berliner Institut für Sozialforschung GmbH
Bearbeiter: Dr. Eva Schulze, Anja Wilbrandt, Karoline Dietel, Dr. Detlef Oesterreich


Die sozialwissenschaftliche Begleitforschung wertet aus, wie eine vierköpfige Familie im Effizienzhaus Plus mit Elektromobilität zurechtkommt. Forschungsziel ist die Überprüfung der Alltagstauglichkeit dieses Hauses aus der Sicht der Nutzer. Die Bewertungen der Handhabbarkeit der Technik und die Zufriedenheit mit der Wohnsituation waren dabei wesentliche Parameter der Gesamteinschätzung. Darüber hinaus sollte erfasst werden, wie die Bewohner mit der Elektromobilität umgehen.

Befragt wurden beide Testfamilien,  die das Haus nacheinander bewohnten. Zur Familie Welke-Wiechers, die von März 2012 bis April 2013 das Haus bewohnte, liegen die Befragungsergebnisse vor. Der Endbericht für das sozialwissenschaftliche Monitoring der Testfamilie Brenner-Heinzelmann, die von Mai 2014 bis Mai 2015 im Haus gewohnt hat, steht nun zum lesen bereit.

 

2. Testfamilie Brenner-Heinzelmann

Download Endbericht (Testzeitraum Mai 2014 bis Juni 2015) (PDF | 1,4 MB)

 

1. Testfamilie Welke-Wiechers

Download Abschlussbericht (PDF | 1,4 MB)

Download Kurzfassung (PDF | 0,4 MB)

Worte der ersten Testfamilie (Zitate aus Interviews)

 

 

Methodisches Vorgehen

Bei einer Wohndauer von 15 Monaten wurde eine Längsschnittanalyse durchgeführt, die verschiedene Jahreszeiten umfasst. Zur Durchführung des Projektes wurden qualitative wie quantitative sozialwissenschaftliche Methoden angewandt. Es wurden mit der Familie regelmäßig ausführliche Interviews durchgeführt (insgesamt sieben, davon eines unmittelbar vor dem Einzug und eines einen Monat nach dem Auszug). Der Umgang mit der Technologie des Hauses wurde mit Hilfe teilnehmender Beobachtung erfasst. Zudem hatte die Familie wöchentlich Logbücher zu Fragen der Zuverlässigkeit und Steuerbarkeit der Haustechnik auszufüllen. Dieses enthielt zur Erfassung der Nutzung der Elektromobilität außerdem ein Fahrten- und Aufladebuch. Schließlich war im Abstand von drei Monaten ein standardisierter Fragebogen auszufüllen, mit Hilfe dessen Veränderungen der Einschätzung der Funktionen des Hauses sowie die Zufriedenheit mit den Elektrofahrzeugen erfasst wurden. Weiterhin wurde insgesamt dreimal Einstellungen zu Umweltproblemen, Umweltverhalten und Energiesparen erhoben.

Auswahl der Testfamilie

Die Testfamilie wurde in einem mehrstufigen Castingverfahren Ende des Jahres 2011 ausgewählt. Aus 132 Bewerbungen wurden zehn Familien ausgewählt, die ausführlich interviewt wurden. Davon wiederum kamen fünf in ein Losverfahren. Die Tatsache, dass sich trotz kurzer Bewerbungsfrist so viele Familien für das Projekt beworben haben, ist für sich genommen ein interessantes Ergebnis, das zeigt, dass das Interesse an Energie- und Umweltproblemen hoch ist. Auch wenn die Familie die 15 Monate in dem Haus kostenlos wohnen konnte, waren es doch überwiegend Familien, bei denen finanzielle Anreize nicht die entscheidende Rolle für eine Bewerbung gespielt haben.

Die vierköpfige Testfamilie aus Prenzlauer Berg bewohnte das Effizienzhaus Plus von März 2012 bis Juni 2013.

Ergebnisse des sozialwissenschaftlichen Monitorings

Als Fazit der 15-monatigen Testphase lässt sich festhalten, dass die Familie sowohl mit dem Haus als auch der Elektromobilität gut zurechtgekommen ist und das Experiment insgesamt als positive Erfahrung in ihrem Leben wertet.

Leben im Effizienzhaus

Die Wohnqualität wurde als hoch eingeschätzt. Im Winter war es zwar gelegentlich im Wohnbereich etwas zu kalt, was mit dem fehlenden Windfang im Eingangsbereich des Hauses und den Heizungsausfällen in diesem Zeitraum zusammenhängen dürfte. Im Schlafbereich, im oberen Stockwerk, war es dagegen in den Sommermonaten häufig zu warm. Ansonsten konnte die Raumtemperatur, nach Ansicht der Familie, prinzipiell leicht reguliert werden, auch wenn der Einfluss auf die Temperatur im Sommer gering war und im Winter, aufgrund von Messungenauigkeiten der Sensoren, die Technik überlistet werden musste, um die gewünschten Werte zu erreichen.
Insgesamt wurde die Steuerung der Haustechnik aber via Touchpanel und Smartphone als einfach zu bedienen und effizient funktionierend beschrieben. Besonders die Fernsteuerung der Türen wurde als komfortabel empfunden. Auch die Lichtregulierung war nach einer notwendigen Einweisung leicht zu handhaben. Die Bewegungsmelder funktionierten nach anfänglichen Schwierigkeiten gut, seien allerdings gewöhnungsbedürftig gewesen.
Die Lüftung wurde als sehr leistungsfähig in der Beseitigung auftretender Gerüche in Küche und Bad empfunden. Ein unangenehmer Zug ausgehend von der Lüftung konnte auch nicht festgestellt werden. Lediglich die Geräuschkulisse aufgrund des Lüftungsbetriebs wurde im letzten Halbjahr der Testphase verstärkt wahrgenommen. Auch eine manuelle Steuerungsmöglichkeit für die Lüftung via Touchpanel wäre wünschenswert gewesen.
Kritisiert wurde die zeitweise trockene Luft, die vereinzelt Klagen über trockene Haut und Augenrötungen insbesondere in den Wintermonaten hervorrief.
Die Warmwasserversorgung bereitete hinsichtlich Wassertemperatur und –menge grundsätzlich keine Probleme.

Elektromobilität

Die Elektromobile aller Hersteller wurden von der Familie ausgiebig genutzt, wobei die Erfahrungen gemischt waren. In puncto Fahrspaß, Beschleunigung und reduzierte Fahrgeräusche konnten die Fahrzeuge überzeugen. Im Hinblick auf die Nutzung als Familienfahrzeug erwiesen sich einige Modelle jedoch als wenig geeignet. Hier ergab sich für die Familie ein hoher Anspruch, bspw. im Transport von Musikinstrumenten zur Verwirklichung der Hobbies der Kinder. Aber auch bei der gemeinsamen Nutzung für Ausflüge zeigte sich, dass manche Modelle schlichtweg zu klein und daher eher ungeeignet waren.
Die Pedelecs wurden gerne und häufig genutzt. Der Zusatzantrieb fand positiven Anklang und verleitete dazu, auch längere Strecken mit dem Fahrrad zu bewältigen. Beide Elternteile konnten die Pedelecs problemlos in ihre Alltagsmobilität integrieren: Einerseits in Kombination mit der Autonutzung, andererseits durch täglichen Fahrten zur Arbeitsstätte.
Das Aufladen der Autos am Haus erwies sich als unproblematisch, insbesondere das Laden auf der Induktionsplattform; das Fahren erforderte jedoch, wenn größere Entfernungen bewältigt werden sollten, eine sorgfältige Planung. Die Probleme lagen hierbei vor allem an der mangelnden Infrastruktur von Lademöglichkeiten. So war eine Urlaubsreise eher eine Abenteuerreise mit unfreiwilligen Zwischenstopps. Einige Hersteller boten eine Applikation an, anhand derer über das Smartphone geprüft werden konnte, wie weit der Ladevorgang bereits fortgeschritten ist. Dies wurde als zusätzliche Sicherheit empfunden und ermöglichte zudem eine bessere Planung zur Nutzung der Zeit während des Ladevorgangs. Als hilfreich wurde darüber hinaus ein klares Signal vonseiten des Fahrzeugs erachtet, dass nun tatsächlich eine Aufladung erfolgt.
Im Alltag in Berlin, in dem sich die Familie eine geschickte Kombination der Nutzung von Elektroautos und Elektrofahrrädern ausgedacht hatte, gab es dagegen keinerlei Probleme. Für kürzere, alltägliche Strecken im Stadtverkehr erwiesen sich alle Modelle hinsichtlich ihrer Reichweitenkapazität als alltagstauglich und unproblematisch. Dabei unterstützt zweifelsohne auch die Lademöglichkeit am Haus die als unkompliziert empfundene Alltagsnutzung der Fahrzeuge.

Umweltbewusstsein und umweltrelevantes Verhalten

Über den Zeitraum der Untersuchung wurde versucht, Veränderungen der Einstellungen zur Umweltproblematik und des Umweltverhaltens, inklusive Energiesparverhalten, zu erfassen. Die Familie wurde zu diesen Themen mehrmals mit Hilfe eines standardisierten Fragebogens befragt. Dabei zeigten sich insgesamt nur sehr geringe Veränderungen. Dies dürfte damit zusammenhängen, dass die Testfamilie ein sehr ausgeprägtes Umweltbewusstsein hat und auch schon vor Einzug in das Effizienzhaus Plus umwelt- und energiebewusst gelebt hat.

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